Johannes Kröger · Aktualisiert am · 7 Min. Lesezeit
Attribution vs. Uplift ist die wichtigste Unterscheidung, wenn du wissen willst, was dein E-Mail-Marketing wirklich bringt. Attribution sagt dir, welche Bestellungen nach einer Mail kamen. Uplift sagt dir, welche Bestellungen es ohne die Mail nicht gegeben hätte. Die beiden Zahlen liegen oft weit auseinander, und nur eine davon taugt für Entscheidungen über Budget, Rabatte und Tools.
In diesem Beitrag lernst du, wie beide Zahlen entstehen, warum Attribution den Umsatz deiner Mails fast immer überschätzt und wie du den Uplift mit einer Kontrollgruppe selbst misst.
Was ist Attribution im E-Mail-Marketing?
Attribution heißt Zuordnung. Dein Tool ordnet eine Bestellung einer Mail zu, wenn der Kunde die Mail geöffnet oder angeklickt hat und danach innerhalb eines Zeitfensters kauft.
Ein Beispiel: Klaviyo ordnet eine Bestellung standardmäßig der letzten Mail zu, die der Kunde in den fünf Tagen davor geöffnet oder angeklickt hat. Das Zeitfenster und die Regeln kannst du in den Einstellungen ändern (Klaviyo: Attribution verstehen, Klaviyo: Attribution einstellen).
Das Prinzip ist bei fast allen Tools gleich: Kontakt mit der Mail, danach ein Kauf im Zeitfenster, also zählt der Umsatz für die Mail. Ob die Mail den Kauf ausgelöst hat, prüft dabei niemand.
Warum überschätzt Attribution den Umsatz deiner Mails?
Attribution misst eine zeitliche Abfolge, keine Wirkung. Dadurch zählt sie Umsatz mit, der ohnehin gekommen wäre. Drei Gründe sind besonders häufig.
Deine besten Kunden kaufen sowieso. Wer regelmäßig bei dir bestellt, öffnet auch deine Mails. Kauft er in den Tagen danach wie gewohnt nach, schreibt die Attribution den Kauf der Mail gut. Gerade nach dem Kauf ist das ein großes Problem: Eine Nachkauf-Erinnerung geht an genau die Kunden, deren Vorrat ohnehin zur Neige geht.
Öffnungen sind keine echten Öffnungen mehr. Apples Mail Privacy Protection lädt Mails automatisch vor. Für dein Tool sieht das aus wie eine Öffnung, auch wenn niemand die Mail gelesen hat. Klaviyo schreibt selbst, dass es diese automatischen Öffnungen nicht von echten unterscheiden kann (Klaviyo: Apple-Privacy-Öffnungen erkennen). Zählt dein Tool Öffnungen für die Attribution, landen dadurch noch mehr Bestellungen bei deinen Mails.
Jeder Kanal zählt dieselbe Bestellung. Der Kunde sieht eine Anzeige, öffnet eine Mail und kauft. Das Werbekonto rechnet sich den Kauf zu, das E-Mail-Tool auch. Addierst du die Zahlen aller Kanäle, kommst du auf mehr Umsatz, als dein Shop gemacht hat.
Was ist Uplift?
Uplift ist der Umsatz, der durch eine Maßnahme zusätzlich entsteht. Andere Namen dafür sind inkrementeller Umsatz oder Mehrumsatz. Die Frage dahinter lautet nicht „Wer hat nach der Mail gekauft?“, sondern „Wie viel mehr wurde gekauft, weil es die Mail gab?“.
Um das zu beantworten, brauchst du einen Vergleich: eine Kontrollgruppe. Ein zufällig ausgewählter Teil der passenden Kunden bekommt die Mail bewusst nicht. Alle anderen bekommen sie. Nach einer festen Zeit vergleichst du den Umsatz pro Kunde in beiden Gruppen. Die Differenz ist der Uplift.
Weil beide Gruppen zufällig gebildet werden, unterscheiden sie sich nur in einem Punkt: der Mail. Alles andere, also Saison, Werbung, Preise und Stammkunden, wirkt auf beide gleich und fällt in der Differenz heraus.
Attribution und Uplift im Vergleich
| Attribution | Uplift | |
|---|---|---|
| Frage | Wer hat nach der Mail gekauft? | Was wurde wegen der Mail gekauft? |
| Grundlage | Öffnung oder Klick, dann Kauf im Zeitfenster | Vergleich mit einer Kontrollgruppe ohne Mail |
| Käufe, die ohnehin passiert wären | zählen mit | fallen heraus |
| Mehrere Kanäle | jeder zählt dieselbe Bestellung | jeder Kanal hat seinen eigenen Effekt |
| Verfügbar | sofort | erst nach dem Messzeitraum |
| Taugt für | Betreffzeilen, Klicks, Tagesgeschäft | Budget, Rabatte, Werkzeugwahl |
Ein Rechenbeispiel: Uplift berechnen
Ein Rechenbeispiel mit ausgedachten Zahlen. Ein Shop verschickt eine Nachkauf-Erinnerung an Kunden, deren Vorrat bald leer ist. In einem Monat sind 2.000 Kunden fällig.
- 1.800 Kunden bekommen die Erinnerung (90 %).
- 200 Kunden bekommen sie nicht. Sie sind die Kontrollgruppe (10 %).
Nach 30 Tagen sieht es so aus:
- Gruppe mit Erinnerung: im Schnitt 24,50 € Umsatz pro Kunde.
- Kontrollgruppe: im Schnitt 21,00 € Umsatz pro Kunde.
Die Rechnung:
Uplift = (Umsatz pro Kunde mit Mail − Umsatz pro Kunde ohne Mail) × Kunden mit Mail
(24,50 € − 21,00 €) × 1.800 = 6.300 € Mehrumsatz
Und die Attribution? Angenommen, 600 der 1.800 Kunden haben die Mail geöffnet und danach nachbestellt, im Schnitt für 40 €. Das Tool meldet dann 24.000 € Umsatz durch die Erinnerung. Den größten Teil davon hätten diese Kunden auch ohne Mail bestellt. Die Kontrollgruppe zeigt das: Auch ohne Erinnerung kommen dort im Schnitt 21 € pro Kunde zusammen.
Beide Zahlen stimmen in ihrer eigenen Logik. Aber nur der Uplift sagt dir, ob sich die Erinnerung lohnt und ob ein Rabatt darin nötig ist.
Worauf kommt es bei der Kontrollgruppe an?
Eine Kontrollgruppe ist schnell eingerichtet. Damit die Zahl stimmt, braucht sie ein paar Regeln.
Zufällige Auswahl. Die Kontrollgruppe muss zufällig gezogen werden. Nimmst du „die, die selten öffnen“ oder „die aus Österreich“, vergleichst du zwei verschiedene Kundengruppen und misst den Unterschied zwischen ihnen statt der Wirkung der Mail.
Feste Zuteilung. Ein Kunde bleibt in seiner Gruppe. Wechselt er zwischen den Gruppen, bekommt die Kontrollgruppe doch Mails, und der Unterschied verwischt.
Gleicher Messzeitraum. Miss jeden Kunden gleich lange ab dem Zeitpunkt, an dem er einer Gruppe zugeteilt wurde, zum Beispiel 30 Tage. So zählen späte Käufe in beiden Gruppen gleich.
Stornos und Erstattungen herausrechnen. Eine Bestellung, die vollständig erstattet wurde, ist kein Umsatz. Das gilt für beide Gruppen.
Nicht zu früh entscheiden. In den ersten Tagen hängt der Unterschied oft an wenigen Bestellungen. Eine einzige große Bestellung in der Kontrollgruppe kann das Ergebnis umdrehen. Warte, bis beide Gruppen groß genug sind und der Messzeitraum abgelaufen ist.
Wie groß sollte die Kontrollgruppe sein?
Das ist eine Abwägung. Eine große Kontrollgruppe liefert schneller eine belastbare Zahl, kostet dich aber Umsatz, weil mehr Kunden die Mail nicht bekommen. Eine kleine Kontrollgruppe kostet wenig, braucht aber lange, bis der Unterschied mehr ist als Zufall.
Als Faustregel: Wer viele Bestellungen hat, kommt mit 10 % aus. Kleinere Shops brauchen einen größeren Anteil, sonst sind in der Kontrollgruppe zu wenige Kunden, um überhaupt etwas zu messen. Wichtiger als der genaue Prozentsatz ist, dass du die Gruppe dauerhaft laufen lässt. Kundenverhalten ändert sich, und eine Mail, die im Frühjahr gewirkt hat, muss es im Herbst nicht mehr tun.
Wann ist Attribution trotzdem nützlich?
Attribution ist nicht falsch, sie beantwortet nur eine andere Frage. Für manche Aufgaben ist sie sogar die bessere Wahl:
- Schnelles Feedback. Ob eine Betreffzeile mehr Klicks bringt als eine andere, siehst du sofort. Dafür musst du nicht 30 Tage warten.
- Inhalte vergleichen. Welches Produkt in der Mail wird angeklickt? Welcher Button? Das zeigt dir der Klick, nicht der Uplift.
- Fehler finden. Bricht der zugeordnete Umsatz plötzlich ein, stimmt oft etwas mit dem Versand oder den Links nicht.
Für die großen Fragen gilt aber: Ob sich ein Flow, ein Rabatt oder ein Tool lohnt, entscheidest du mit dem Uplift. Sonst bezahlst du für Umsatz, den du ohnehin hattest.
Typische Fehler bei der Messung
Zugeordneten Umsatz und Mehrumsatz addieren. Beide Zahlen beschreiben teilweise dieselben Bestellungen. Zusammengezählt ergeben sie keinen Sinn.
Rabatte nach Attribution bewerten. Ein Rabatt in einer Winback-Mail erzeugt viel zugeordneten Umsatz. Ob er nötig war, zeigt erst der Vergleich: Kauft die Kontrollgruppe ohne Rabatt fast genauso oft, verschenkst du Marge.
Die Kontrollgruppe nach einer Woche abschalten. Wer zu früh aufhört, misst Zufall. Lieber eine Zahl später als eine falsche.
So macht es rebond
rebond ist eine Shopify-App für die Zeit nach dem Kauf. Jeder der acht Skills hat seine eigene Kontrollgruppe, standardmäßig 10 % der passenden Kontakte. Du kannst den Anteil je Skill zwischen 5 und 30 % einstellen.
Die Zuteilung ist fest: Derselbe Kontakt landet bei demselben Skill immer in derselben Gruppe. Gemessen wird je Kontakt 30 Tage ab der Zuteilung. Stornierte und vollständig erstattete Bestellungen zählen in beiden Gruppen nicht als Kauf.
rebond zeigt dir drei Umsatzzahlen und zählt sie nie zusammen: den Mehrumsatz gegen die Kontrollgruppe, den zugeordneten Umsatz aus Links und Rabattcodes und den Umsatz über die Sendungsverfolgung. Was die drei genau bedeuten, steht unter Mehrumsatz, zugeordneter Umsatz, Umsatz über Sendungsverfolgung.
Ist der Unterschied noch Zufall, zeigt rebond keine Zahl, sondern den Grund, etwa „hängt an einer Bestellung“. Wie du die Kontrollgruppe einstellst und liest, erklärt die Hilfe zur Kontrollgruppe. Den Überblick findest du auf der Seite Messung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Attribution und Uplift?
Attribution ordnet eine Bestellung der Mail zu, nach der sie kam. Uplift ist der Umsatz, der ohne die Mail nicht entstanden wäre. Attribution zählt auch Käufe, die ohnehin passiert wären. Uplift misst nur den zusätzlichen Effekt, über den Vergleich mit einer Kontrollgruppe.
Wie berechne ich den Uplift einer E-Mail?
Teile die passenden Kunden zufällig in zwei Gruppen. Eine bekommt die Mail, die andere nicht. Nach einem festen Zeitraum rechnest du: Umsatz pro Kunde mit Mail minus Umsatz pro Kunde ohne Mail, mal die Zahl der Kunden mit Mail.
Warum ist der Uplift kleiner als der zugeordnete Umsatz?
Weil viele Kunden auch ohne die Mail gekauft hätten. Die Attribution rechnet diese Käufe der Mail zu, der Uplift nicht. Bei Stammkunden und bei Mails kurz vor dem natürlichen Nachkauf ist der Unterschied besonders groß.
Wie groß sollte eine Kontrollgruppe sein?
Häufig sind 10 % ein guter Start. Kleinere Shops brauchen einen größeren Anteil, damit überhaupt genug Kunden in der Kontrollgruppe landen. Wichtig ist, dass die Auswahl zufällig ist und die Gruppe dauerhaft bestehen bleibt.
Kann der Uplift auch negativ sein?
Ja. Das passiert, wenn eine Mail Kunden verärgert oder einen Rabatt an Leute gibt, die sonst zum vollen Preis gekauft hätten. Genau deshalb lohnt sich die Messung: Sie zeigt dir auch, welche Mails du besser abschaltest.
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